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Berliner Morgenpost / 26.Juni 2013: Jubiläum – 110 Jahre Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Berlin-Lichtenrade e. V.

Vor 110 Jahren begannen sich die Siedler in Lichtenrade zu organisieren und für Ihre Interessen einzutreten. Das große Jubiläum wurde nun groß gefeiert – im historischen Familienrestaurant “Reisel” in Alt-Lichtenrade. Frank Behrend, erster Vorsitzender des Vereins, empfing Gäste und Mitglieder, die sich auch von den feuchten Witterungsverhältnissen nicht abhielten ließen. Sorgte doch auch im Hof des “Reisel” ein Zelt für den Schutz vor den Schauern.

Jubiläum bei Reisel, Foto: Thomas Moser

Jubiläum bei Reisel, Foto: Thomas Moser

Behrend begrüßte besonders die Mitglieder und Gäste aus der Politik und den befreundeten Vereinen. Aus der Bundespolitik waren die Lichtenrader Bundestagsabgeordneten Dr. Jan-Marco Luczak (CDU) und Holger Krestel (FDP) vertreten. Für die erkrankte Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, die die herzlichsten Glückwünsche ausrichten ließ, gratulierte Stadtrat Oliver Schworck (beide SPD) zu diesem ganz besonderen Jubiläum. Schworck betonte in seiner Rede, dass er die Vielfältigkeit der Vereinsaktivitäten schätze. Schworck, der auch in Lichtenrade wohnt, erwähnte noch, dass neben dem wichtigen Kerngeschäft – der vielfältigen Beratung der Mitglieder – noch weitere Aktivitäten besonders zu loben seien: So setze sich der Verein im Kiez beispielsweise für ein saubereres Lichtenrade ein und kümmere sich auch um die Bepflanzung einiger Beete in der Bahnhofstraße. Oliver Schworck betont besonders die enge Vernetzung mit den anderen Vereinen und Bürgerinitiativen.

Kleiner historischer Abriss der Kiezgeschichte

Bundestagsabgeordneter Jan-Marco Luczak ließ es sich nicht nehmen, auf die neuesten Bemühungen für eine Tunnellösung bei der Dresdner Bahn in Lichtenrade hinzuweisen.

Frank Behrend gab einen kleinen historischen Abriss der Vereinsgeschichte und des Kiezes: Anfang 1900 war Lichtenrade rasant gewachsen. Zu dieser Zeit zählte der Bezirk noch rund 800 Einwohner. Grundstücke wurden immer mehr parzelliert. Viele Berliner zog es ins Grüne und so ist Lichtenrade schnell gewachsen. Im Jahr 1910 zählte die Ortschaft vor den Toren von Berlin schon 3.239 Einwohner.

Straßenbau und Verkehr, Kanalisation und Entwässerung, Plätze und Schulen waren die wichtigsten Themen. So war es dann fast zwangsläufig, dass der Haus- und Grundbesitzer-Verein Lichtenrade 03 e. V, gegründet wurde. Der Wilmersdorfer Rechnungsrat Franz Carl Emil Rohrbach, nach dem noch heute eine Straße benannt ist, erreichte in zähen Verhandlungen die Pflasterung der Hilbertstraße, Krügerstraße, Paetschstraße und zahlreicher weiterer Straßen westlich der Eisenbahn. Die Eigentümer initiierten jedoch auch die Gründung einer Privatschule in Lichtenrade.

Kleine Kanäle leiten das Wasser in den Teltowkanal

Nach den starken Regenfällen 1926/1927 war es wichtig, dass auf den Grundstücken das Problem des Oberflächenwassers gelöst wurde. Auf Druck des Vereins wurden in Lichtenrade und den angrenzenden Ortsteilen kleine Kanäle gebaut, die das Wasser in den Teltowkanal leiten sollten. So ist noch heute an einigen Stellen der Lichtenrader-Lankwitzer-Regenwasser-Sammelkanal, kurz “LiLaReSa”, zu sehen.

Viele kleine Begebenheiten aus dem Kiez sammelte der Heimatchronist Hermann Wundrich. Er war selbst von 1947 bis 1949 Vorsitzender des Vereins. Auch darüber spricht Frank Behrend in seiner Rede.

Und auch das dunkle Kapitel in der deutschen Geschichte ließ Behrend nicht aus, wo die gleichgeschalteten Haus- und Grundbesitzervereine sich in den Dienst des nationalsozialistischen Staates stellten und der Vorsitzende dann Führer genannt wurde. Auch durften nur „Reichsdeutsche arischer Abstammung“ Mitglied werden.

Verein hat heute rund 3000 Mitglieder

Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich 1947 sieben Vereine zusammen. Im ersten Jahr nach dem Zusammenschluss hatte dieser Verein bereits 1.650 Mitglieder. Heute hat der Verein rund 3000 Mitglieder und damit ein echtes Gewicht in der Stimme von Lichtenrade.

„Im Laufe der 110 Jahre engagierten sich viele ehrenamtlich, waren in ihrer Freizeit tätig und halfen vielen anderen bei den Fragen und Problemen rund um Haus- und Grundeigentum. Allen diesen Aktiven sei für ihre Arbeit gedankt. Hoffen wir, dass sich auch in Zukunft viele Menschen in unserem Verein engagieren und der Verein sich weiterhin aktiv für das Eigentum einsetzen kann“, schloss der Vorsitzende seine Jubiläumsrede. Behrend ist seit 2007 der Erste Vorsitzende, er konnte unter den Gästen auch den Ehrenvorsitzenden Joachim Grunow begrüßen, der von 1996 bis 2007 diese Position inne hatte.

Nach dem feierlichen Festakt genossen die Gäste das rustikale Berliner Buffet, das in der Märchenstube vom Restaurant “Reisel” aufgebaut war.

Quelle: Thomas Moser